Angst vor der Digitalisierung – und warum Sie sie haben sollten?

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Der Begriff „Digitalisierung“ beschreibt weit verzweigte Einzelthemen in vielen Bereichen, die unsere Welt, unser Leben, unsere Arbeit und unsere Gesellschaftsstruktur verändern und beeinflussen. Viele Dinge sind dabei schon sehr weit fortgeschritten, werden aber dem Thema „Digitalisierung“ vom normalen Bürger nicht so direkt zugeordnet.

Vielen ist nicht bewusst, was das für sie in Zukunft bedeutet. Gleichwohl hat und wird die „Digitalisierung“ zu extremen Veränderungen in unserer Gesellschaft führen. Der Arbeitsmarkt wird sich hin zu immer höheren Qualifizierungen verdichten. Was früher zehn Menschen machten, werden in Zukunft vielleicht noch zwei machen. Aber diese müssen eine sehr gute Ausbildung haben oder extrem spezialisiert und flexible sein.

Sicher werden auch neue Berufe entstehen, die einen Teil der frei werdenden Arbeitskräfte auffangen, aber das wird nur ein Bruchteil sein. Warum wird denn die „Digitalisierung“ von der Wirtschaft vorwärts getrieben? Sicher nicht um „mehr“ Arbeitsplätze zu erzeugen oder „mehr“ Kosten. Das Gegenteil ist der Fall. Unternehmen arbeiten, in der freien Wirtschaft, nach dem Gewinn-Maximierungsprinzip. Und sie sehen in der „Digitalisierung“ eine riesige Chance, in diesem Sinne, weiter zu kommen. Also Kosten zu sparen, Personal zu entlassen und effizienter zu sein. Damit sie ihre Produkte und Dienstleistungen auf einem globalen Markt zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten können. Denn die Globalisierung verlangt das.

Da wir heute alle in globalen Märkten aktiv sind, ob wir es wollen oder nicht, sind wir auch dem weltweiten Drang nach „Digitalisierung“ ausgesetzt und können uns ihr nicht entziehen. Politik und Gesetze sind dieser rasanten Entwicklung nicht gewachsen und können ihr nichts entgegen setzen. Und, wir stehen erst am Anfang einer riesigen Veränderung und Verschiebung von Arbeit hin zu Qualifizierung und Transfer vom Westen nach Asien – sprich China. Trotzdem erkennen schon die einfachen Bürger, welche gravierende Auswirkungen diese Themen haben und haben werden. Um eine Einsicht zu bekommen, wo uns das betrifft, führen wir hier einige Beispiele dazu auf.

Elektromobilität wäre ohne Digitalisierung nichts!

Die sich dramatisch schnell entwickelnde Elektromobilität wäre ohne die „Digitalisierung“ überhaupt nicht möglich. Nur dadurch, dass Software Fahreigenschaften, geografische Lagen (GPS), Kurven, digitale Videos etc. erfassen, auswerten und in Taten umsetzen kann, ist diese Entwicklung überhaupt möglich. Dabei spielt die gesamte Entwicklung von Hard- und Software eine grosse Rolle. Aber auch und ganz wichtig die Erfassung von Daten durch Sensoren, Kameras oder Positionen durch Satelliten. Die effiziente Steuerung eines Elektromotors, bei minimalem Verbrauch des Stroms und Schonung des Batteriesystems wird durch intelligente Software erst möglich. Die Rekuperation, also die Rückgewinnung von Strom durch Abbremsen des Fahrzeugs, ist erst durch die Digitalisierung perfekt geworden. Erfasste, gesammelte Daten und deren Auswertung sind das A und O dafür. Das heisst – Datensammlung, Software, Rechenleistung, künstliche Intelligenz als Basis für die Software gehören zur Digitalisierung und machen sie erst möglich. Die Elektromobilität, durch die Digitalisierung erst zu dem gereift dass es Sinn macht, wird zusammen mit dem autonomen Fahren zu ganz neuen Transportkonzepten und Mobilitätslösungen führen.

In China und den USA entstehen zur Zeit, sehr grosse Unternehmen die sich z.B. auf „Ride Hailing“ spezialisieren. Firmen wie Alphabet Inc. (mit Waymo), GM oder Didi Chuxing Technology Co. (kurz Didi genannt) stürzen sich darauf und investieren Milliarden. Alle Mobilitätslösungen, wie wir sie heute kennen, werden dadurch auf den Kopf gestellt. Dadurch werden extrem viele Arbeitsplätze frei. In Europa schaut man dieser Entwicklung nur hinterher. Wer aber heute dort den Kopf ganz vorne hat, wird in Zukunft auf der ganzen Welt enorm viel Geld verdienen und enorme Macht besitzen. Viele glauben das nicht. Wer sich aber damit näher beschäftigt, weiss, dass diese Entwicklung unaufhaltsam und massiv ist. Schon heute machen, hier in der Schweiz, immer weniger junge Menschen einen Führerschein. Weil es zu teuer ist und weil sie lieber mit ihren Freunden mitfahren und auch mal was trinken können. So wird in Zukunft eine Mitfahrgelegenheit durch eine App gebucht. Ich will jetzt von A nach B. Heute kommt noch ein Taxi, ein Freund oder man fährt mit dem Bus. Morgen kommt ein autonom fahrendes, fahrerloses Fahrzeug, holt einen an einem beliebigen Punkt ab und fährt einen an einen beliebigen Punkt. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr – also immer. Und das ohne Personalkosten. Züge und Busse fahren führerlos und autonom. Didi, in China, konzentriert sich deshalb darauf alle Transportmöglichkeiten zu kombinieren und diese immer effizienter und für sie Gewinn bringender zu gestallten. Über deren App kann man ganze Reisen buchen und ausführen. Bucht man eine Reise auf seinem Smartphone, kommt heute noch ein Uber-Taxi bringt einen zum Bahnhof, man fährt mit dem Zug zum Flughafen und fliegt an das Ziel, dort angekommen geht es mit einem Elektrobus zum Endziel. Morgen werden diese Transportsysteme autonom und elektrisch sein. Dank Digitalisierung.

Das Unternehmen Didi hat heute bereits eine Marktkapitalisierung von rund 56 Milliarden US-Dollar und ist weltweit tätig. Sie besitzen von der Software, den Daten, und Know-How und Fahrzeugen vom Elektroroller, über ganze Taxiflotten und Reiseunternehmen alles was man dazu braucht. Es muss nur digital miteinander kombiniert werden. Didi hat gerade angefangen selber autonom fahrende Elektroautos in China herzustellen. Weil das für sie und die Kunden günstiger ist, als mit Uber und Verbrennungsmotor getriebenen Fahrzeugen zu fahren. Sie können sehr kostengünstig hergestellt werden, da sie den Anforderungen der heutigen Autos nicht entsprechen müssen. Luxus und ein Lenkrad braucht man darin nicht. Auch können sie ganz andere Formen und Innenräume haben, damit z.B. möglichst viele Koffer hinein passen. Es wird eine ganz andere Art der Mobilität werden. Ein individuelles Auto braucht man dann nicht mehr und es würde auch in Zukunft extrem teuer sein. Wer jetzt glaubt, dass Didi ja nur in China aktiv ist, irrt sich gewaltig. Didi hat rund um die Erde Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen die genau diesem Geschäftsmodel folgen. Auch in Europa, Afrika den USA oder Süd-Amerika. Europäische Unternehmen, wenn es sie denn gibt, werden einfach aufgekauft.

Man kann davon ausgehen, dass die Veränderung durch die Digitalisierung im Bereich Mobilität in den nächsten Jahren Millionen an Arbeitsplätze, vor allem im Westen, sprich Europa und den USA kosten wird. Diese können unmöglich durch „Qualifizierung“ und neue Jobs aufgefangen werden. Herstellung, Wartung, Ersatzteile, Tankstellen, Händler, was lebt heute alles von individuellen Autos, Autos mit Verbrennungsmotor?

In vielen Medien werden heute Beschwichtigungen, manipulierte Berichte oder durch Wiederholungen bestimmende Zustände verbreitet, um die aktuellen, potentiellen Autokäufer doch noch zu bewegen ein Auto mit herkömmlichen Antrieb zu kaufen. Warum? Weil die Margen für die Industrie hoch sind und man die Investitionen schon langen abbezahlt hat. Die Kraft der Lobby und der Einfluss der Branche auf die Politik ist enorm gross. Dass sieht man auch an der zögerlichen Haltung der Politik in Deutschland in Bezug auf die Diesel-Fahrverbote. Die Branche und die Insider kennen die Entwicklung schon seit Jahrzehnten und tun heute so, als ob sie überrumpelt würden. Es gibt weltweit nicht zu wenig Kapazitäten für die Herstellung von Batterien für Elektroautos, sondern zu viele. Die Preise für Batterien und die der Rohstoffe dafür purzeln nur so nach unten. In den letzten zehn Jahren um 90 %. Die Diskussion um die Rohstoffe und angeblich daraus abgeleiteten negativen Dinge, ist an den Haaren herbeigezogen und soll die negativen Dinge über Rohöl, Raffinerien, CO2 etc., die bei herkömmlichen Antrieben entstehen, überdecken. Die gesamte Branche macht sich nur lächerlich und aus jedem Versuch diese Dinge falsch darzustellen spricht die Angst um den Job, die Umsätze und Gewinne. Wie stark die Entwicklung zum Beispiel die Autohändler treffen wird, muss jedem klar sein. 90 % werden einfach pleite gehen. Eine sachliche Prognose von Menschen aus dieser Branche ist also nicht möglich. Anstatt sich dieser globalen Herausforderung zu stellen, versucht man die aufzuhalten. Selber investieren die grossen Unternehmen eben genau da wo keine Europäischen Arbeitsplätze liegen, in Asien.

Und zu guter Letzt ist diese Entwicklung selber von der Branche erzeugt worden. Führerscheine / Fahrzeugausweise sind heute so teuer wie noch nie und kosten hier in der Schweiz bereits mehr als ein Monatseinkommen. Ich habe meinen Ausweis noch in den 1970 Jahren für 500 DM gemacht. Damals ein Siebtel meines Monatslohns. Autos, wenn sie einigermassen eine sinnvolle Ausstattung und Leistung haben sollen, kosten heute ein halbes bis ein ganzes Jahresgehalt. In den 1970 Jahren kostet ein neues Fahrzeug ein Viertel eines Jahreslohns. Der Treibstoff, Benzin oder Diesel ist seit Jahren sehr teuer und liegt hier bei rund 1.60 CHF pro Liter. In den 1970 Jahren lag er bei o.50 CHF, weniger als bei einem Drittel. Service, Ersatzteile und Versicherungen verschlingen heute Unsummen. Einzelteile können nur noch in Baugruppen getauscht werden und nicht mehr einzeln. All das hat die Kosten in exorbitante Höhen getrieben. Gleichzeitig sind die Reallöhne gefallen. Die Branche hat also darauf gesetzt die Kunden immer noch mehr auszunehmen, anstatt die Kostenvorteile der technischen Entwicklung an sie weiter zu geben.

Nur zum Vergleich. Personal Computer sind seit den 1980 Jahren um rund 95 % billiger geworden, ihre Leistung ist aber um 2’000 % gestiegen. Autos hingegen sind um mehr als 200-300 % teurer geworden, ihre Leistung ist aber fast konstant geblieben. Rechnet man den Luxus von Sonderausstattungen mit, so ist der Preis um 300-400 % gestiegen. Die Wartungs- und Verbrauchskosten sind um weitere dreistellige Prozentsätze gestiegen. Das passt nicht in eine Welt in der alles weltweit günstiger wird.

Wer geglaubt hat, dass die Menschen in den aufkommenden Schwellenländern so lange warten, bis sich ihr Lohnniveau an diese hohen Preise angepasst hat und sie sich dann auch so ein Auto leisten können, der muss schon ein Tagträumer sein. Sie entwickeln sich heute ihre Autos selber. Und weil das mit Elektro einfach und viel billiger geht, machen sie es so. Der Rückfluss der günstigen Fahrzeuge aus Asien wird hier die Branche zerstören. Europa hat auch mit dem Klimagipfel dazu beigetragen z.B. China in Bezug auf CO2 Druck zu machen. Heute ist der pro Kopf Verbrauch an CO2 in Deutschland und den USA höher als in China. Auch wenn die tollen Bilder mit Nebel aus Shanghai im Fernsehen uns etwas anderes sagen sollen.

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