Batteriekapazitäten lange Zeit weit über der Nachfrage

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  • Die aktuellen Kapazitäten der Batterieproduktion für Elektrofahrzeuge übersteigen noch viele Jahre die der prognostizierten Nachfrage
  • Trotzdem drängen viele neue Batterieproduzenten auf den Markt, besonders in Asien, aber auch in Europa
  • Die grössten Produktionskapazitäten existieren in China und den USA, die USA erweitert ihren Anteil stark, Europa spielt kaum eine Rolle
  • Eine Marktkonsolidierung ist unumgänglich, bekannte Hersteller werden verschwinden
  • Weiterhin wird der Markt für das „Second Life“ der Batterien wachsen und zu einem weiteren Standbein der Batteriehersteller
  • Der Preisverfall der Batterien wird einen enormen Kostendruck auf Elektrofahrzeug-Hersteller erzeugen und Neuwagenpreise massiv nach unten drücken
  • Die gute Nachricht (für die Kunden) ist, Batteriepreise werden lange günstig sein und noch billiger werden
  • Die schlechte Nachricht (für die Autoindustrie) ist, Batteriepreise werden lange günstig sein und noch billiger werden

Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt weltweit stark an und damit auch die Nachfrage nach Batterien für diese Fahrzeuge. Der Bedarf wird derzeit durch Unternehmen aus China (37 %), Japan (26 %), den USA (16 %) und Südkorea (13 %) sowie dem Rest (8 %) gedeckt. Europa spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die USA werden ihren Anteil durch die Giga-Fabrik von Tesla in Zusammenarbeit mit Panasonic stark ausbauen. Aber auch China hat den Ausbau der Kapazitäten noch einmal verschärft und baut sie mit rasanter Geschwindigkeit aus.

Studien zeigen, dass bereits 2020 zwei von drei Batteriezellen aus chinesischer Fertigung stammen werden und die USA dann jede fünfte Batteriezelle liefern wird. Besonders Japan und Südkorea werden an Bedeutung in dem Markt verlieren. Was dazu führen wird, dass China und die USA im Jahr 2025 rund 80 % aller weltweit benötigter Batterien liefern werden. Europa und Deutschland spielen dabei fast keine Rolle. Polen wird mit 3 %, Deutschland mit 5 % und Schweden mit 7 % Marktanteil für das Jahr 2025 kalkuliert.

Technologiewandel wird kommen

Parallel zu den Kapazitäten für die Batterieproduktion wird sich die Zelltechnik der Batterien stark verändern. Die Hersteller werden aufgrund der Rohstofflage aber auch des Kostendrucks dazu gezwungen werden nach anderen Technologien für Batterien zu suchen. So werden zukünftig wohl Lithium-Luft, Lithium-Polymer und Solid State Batterien Einzug in die Elektrofahrzeuge finden.

Lücke zwischen Angebot und Nachfrage erzeugt Druck auf die beteiligten Branchen

Das grösste Problem für alle Batterie-Systeme-Produzenten für die xEVs liegt darin, dass die Produktion der Elektrofahrzeuge, dem der Nachfrage hinterher hinkt und hinken wird, so dass die Kapazitäten für die Batterieproduktion über Jahre grösser sein werden als die Nachfrage für Elektroautos. Selbst in Best-Case Szenarien bleiben die Produktionszahlen der Elektroautos hinter denen der Batteriesysteme zurück. In 2016 überstieg die Kapazität für die Batterieproduktion weltweit die der hergestellten Elektrofahrzeuge, gemessen in GWh, um 79 %. In 2020 wird die Lücke rund 96 % betragen und selbst in 2025 werden noch 31 % mehr Kapazitäten für die Produktion von Batterien vorhanden sein, als für Elektrofahrzeuge.

Das schafft einen enormen Kostendruck auf die Elektroautobauer

Obwohl sich der Markt für Batterien, durch die Überkapazitäten, sicher langsam konsolidieren wird, werden trotzdem viele global Player daran festhalten und das heisst in dem Markt langfristig investieren. Damit wird ein lang anhaltender Preisverfall erzeugt, der sich auf die Elektroautobauer weiter durchziehen wird. Ist doch heute die Batterie an einem Elektrofahrzeug das teuerste am ganzen Fahrzeug – ca. 60 % des Preises. Laut Studien entfallen in Zukunft bis zu 40 % der Wertschöpfung eines Elektrofahrzeugs auf das Batteriepack zurück. Man kann sich leicht ausmahlen was ein Preisverfall für Batterien also mit den Preisen für komplette Elektroautos macht. Heute liegt der Wert teilweise noch bei 60-80 %. Das heisst Preise für Elektroautos werden bis 2025 um 50 % fallen. Gerade hat VW seine neuen I.D. Modelle mit Basispreisen für 2019 um die 24’000 Euro angemeldet. Bis 2025 wird er dann wohl 12’000 Euro als Neuwagen kosten müssen. Denn wo Luft nach unten ist, wird es einen Preiskampf geben. Die Konkurrenz schläft ja nicht.

Was das für die Automobilindustrie bedeutet, kann sich jeder ausmahlen. Auch hier wird dann sicher versucht Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. Grosse werden Konkurrenten versuchen zu schlucken und dann zu schliessen. Damit der Verkaufspreis wieder steigen kann und die Rendite so hoch bleibt, dass sich Autoproduktion für Anleger weiterhin lohnt. Gott sei Dank ist das nur theoretisch so möglich. Auf lange Sicht werden, auch aus aufstrebenden Drittländern, viele neue Unternehmen auf den Markt drängen. Elektroautos zu bauen ist keine Raketenwissenschaft und kann sehr schnell für viele, wenig erfahrene, Unternehmen möglich werden. Die aktuellen Stakeholder werden an Einfluss und Macht verlieren und die Produktion wird überall möglich werden.

Preise für Batterien fallen schon seit 10 Jahren um fast 90 %

Preise für Batterien fallen schon seit 10 Jahren um fast 90 %

Konsolidierung, OEM Produktion schaffen Auswege aber neue Märkte halten die Kosten und damit Preise niedrig

Kerngeschäft der Elektroautos sind die Batteriesystem-Hersteller. Deshalb werden alle Stakeholder versuchen den Markt zu konsolidieren und Kapazitäten zu reduzieren um den Preis nach oben zu treiben. Sicher werden auch Strategien als OEM – Hersteller eine Rolle spielen. Also so viele Batteriesystem-Hersteller unter ein Konzerndach zu bekommen, dass man den Markt bestimmen oder sogar steuern kann. Realistisch ist das aber nur nach 50 Jahren. Das heisst die nächsten 20-40 Jahre wird es eine Masse an Herstellern geben und durch die Überkapazitäten die Kosten und Preise eher nach unten drücken.

Second-Life Batteriemarkt hält Kosten niedrig

Ein weiterer Aspekt wird diese Lage langfristig noch verstärken. Durch die zukünftig niedrigen Preise müssen sich Batteriesystem-Hersteller weitere Einnahmequellen suchen. Dabei bietet sich der „Second-Life-Markt“ für Batterien an. Nach etwa acht Jahren erreichen „heutige“ Lithium Ionen-Autobatterien einen Zustand, der ihre weitere Verwendung als Energie-Speicher im Auto zunehmend unattraktiv werden lässt. Ihre Speicherfähigkeit geht in der Regel auf unter 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität zurück.

Einbussen bei der Fahrzeugreichweite und Ladeperformance sind die Folge. Eine Studie zeigt, dass bis 2032 voraussichtlich eine Batteriekapazität von mindestens 1.5 GWh an Gebraucht-Akkus weltweit anfällt, die für den Einsatz als Second Life-Speicher zu Verfügung steht. Für viele Batteriesystem-Hersteller bietet sich darin eine zweite Chance am Markt Geld zu verdienen. Die alten Batterien müssen aus den Fahrzeugen entfernt werden, neue Batterien eingebaut werden, danach die alten auf ihren Zustand untersucht werden, entschieden werden ob sie recycelt oder in anderen Systemen weiter verwendet werden. Das und alle Folgeleistungen bieten ein grosses Potential um Umsätze und Gewinne zu generieren.

Der Markt für „Second-Life“ Nutzung von Batteriesystemen ist noch nicht einmal angedacht, da tun sich schon endlose Betätigungsfelder auf. Alte Batterien aus Elektroautos können z.B. noch Jahre und Jahrzehnte als Speicher für Home-Systeme, also in privaten Häusern, dienen. Es gibt auch eine endlose Fülle an Fahrzeugen die heute noch mit Verbrennungsmotoren oder mit kabelgebundener Stromversorgung betrieben werden. Traktoren, Kleinbusse, landwirtschaftliche Maschinen, Maschinen im Gartenbau, Bergbaufahrzeuge, Gabelstapler und viele andere Nutzfahrzeuge mehr. Da die Preise für diese Batterien und Systeme billiger sein werden als die Nutzung von Verbrennungsmotoren, werden viele Nutzer umsteigen. Auch in der Industrie können dazu endlose Anwendungsgebiete genutzt werden. Der entscheidende Faktor, die Kosten, werden dafür sorgen, dass immer mehr „Second-Life“ Batterien und Elektrosysteme Verbrennungsmotoren verdrängen werden und neue Anwendungen möglich machen. Es könnte auch sein, dass es sich in Zukunft lohnt Batteriesysteme aus PKWs nach einer bestimmten zeit in LKWs weiter zu nutzen, weil diese sowieso grössere Mengen benötigen und eine hohe Ladekapazität hier nicht so wichtig ist.

Eine Studie empfiehlt folgende Ansatzpunkte für die zukünftige Strategie im Second-Life Markt für Batterie-Hersteller:

  • Der weltweite Markt für Batteriepacks ist weitgehend zwischen OEMs, deren Kooperationen und Joint-Ventures aufgeteilt, neuen Playern steht nur ein kleiner adressierbarer Bereich offen.
  • Der Markt für Second Life Anwendungen bietet derzeit noch viel Potenzial für Batteriesystemanbieter.
  • Als mögliches Geschäftsfeld zeichnet sich die grossindustrielle Fertigung von Batteriepaketen für Busse, Lkw- und Off-Highway- Anwendungen (z.B. Traktoren oder Minenfahrzeuge) ab.
  • Durch den Einsatz innovativer Technologien zur Zellüberwachung können sich die Batteriepakethersteller USPs verschaffen.

Fazit

Zeitraum für die nächsten 20 bis 50 Jahre. Die Batterie-Systeme für Elektroautos werden in Zukunft noch viel billiger. Es wird einen Technologiewandel geben, die den Ressourcen-Kampf entlasten. Es wird eine Mengen an Anbietern geben die noch höhere Kapazitäten liefern können als bereits heute. Konsolidierungsbemühungen werden kaum fruchten, der Markt wird breit und tief bleiben bzw. werden. Der Second-Life Markt wird zusätzlich und langfristig dazu beitragen, dass Preise für Batterie-Systeme niedrig bleiben und hohe Kapazitäten alle versorgen die es haben wollen. Unter dem Strich bedeutete das, dass Elektroautos in Kürze und langfristig dramatisch billiger werden. Der Preis eines Elektroautos wird mit 60 bis 80 % durch die Kosten der Batterie-Systeme bestimmt. Fallen diese um 50 % so werden auch die Preise der Fahrzeuge fallen. Und diese Grössenordnung ist in den nächsten Jahren realistisch. Wer kauft sich dann noch ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, dass dann 50 % teurer ist als ein Elektroauto?

 

Quellen: U.a. TopKeyPlayers.com, ThinkProgress.orgdatabridgemarketresearch.com, redfieldherald.com, qz.com, eigene Recherchen.

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