KI in der Schweiz: Der stille Umbau einer Hochlohnwirtschaft

Auswirkungen der KI auf die schweizer WirtschaftAuswirkungen der KI auf die schweizer Wirtschaft

Künstliche Intelligenz wird die Schweizer Wirtschaft nicht in einem einzigen, spektakulären Umbruch verändern. Wahrscheinlicher ist ein schrittweiser, aber tiefgreifender Umbau: Unternehmen stellen weniger Nachwuchskräfte ein, administrative Aufgaben verschwinden, erfahrene Spezialisten betreuen mit KI-Unterstützung grössere Arbeitsvolumen, Hierarchien werden flacher und ein wachsender Teil der Wertschöpfung verlagert sich von menschlicher Arbeit zu Software, Daten und Rechenleistung.

Dieser Wandel hat bereits begonnen. Noch ist die Gesamtbeschäftigung stabil. Ende 2025 zählten die Schweizer Unternehmen 5,544 Millionen Beschäftigte, davon 4,415 Millionen im Dienstleistungssektor. Gleichzeitig war die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent gesunken. Daraus lässt sich noch kein allgemeiner KI-Effekt ableiten, wohl aber ein Arbeitsmarkt, in dem Unternehmen zunehmend zurückhaltend rekrutieren. Bundesamt für Statistik

Für die Schweiz ist diese Entwicklung besonders bedeutsam. Sie ist eine Hochlohnwirtschaft mit einem grossen Anteil wissensintensiver Dienstleistungen, einer starken Finanz-, Pharma-, Forschungs- und Verwaltungslandschaft und einer Unternehmensstruktur, die zu mehr als 99 Prozent aus kleinen und mittleren Unternehmen besteht. Gerade weil menschliche Arbeit teuer ist, lohnt sich ihre technische Unterstützung oder Substitution hier früher als in vielen anderen Ländern.

Nicht jeder betroffene Arbeitsplatz verschwindet

In der öffentlichen Debatte werden drei unterschiedliche Begriffe häufig vermischt: KI-Exposition, Automatisierbarkeit und Stellenabbau.

Eine Tätigkeit ist KI-exponiert, wenn ein relevanter Teil ihrer Aufgaben mit künstlicher Intelligenz schneller erledigt werden kann. Das bedeutet noch nicht, dass der gesamte Arbeitsplatz automatisiert werden kann. Und selbst technisch automatisierbare Aufgaben verschwinden nicht zwangsläufig: Rechtliche Vorgaben, Qualitätskontrollen, Kundenbedürfnisse, Haftungsfragen und organisatorische Trägheit können ihre Automatisierung verzögern oder verhindern.

Nach Berechnungen der OECD sind in der Schweiz rund 32,2 Prozent der Beschäftigten gegenüber generativer KI exponiert. In Zürich liegt der Anteil aufgrund der Konzentration wissensintensiver Berufe sogar bei 39,4 Prozent. Die OECD definiert Exposition dabei so, dass mindestens 20 Prozent der Tätigkeiten eines Berufs mit generativer KI in ungefähr der halben Zeit erledigt werden könnten. Nur rund 3,5 Prozent der Schweizer Beschäftigten arbeiten dagegen in Berufen mit hohem klassischem Automatisierungsrisiko. OECD-Länderprofil Schweiz

KI-Exposition bedeutet deshalb zunächst eine Veränderung der Arbeit. Ob daraus Stellenabbau, höhere Produktion, bessere Qualität, kürzere Arbeitszeiten oder steigende Gewinne entstehen, hängt von den Entscheidungen der Unternehmen und der Politik ab.

Hinzu kommt die Robotik. Generative KI verändert in erster Linie Büro-, Wissens- und Kommunikationsarbeit. KI-gestützte Robotik greift dagegen zunehmend in Produktion, Logistik, Laborarbeit, Landwirtschaft, Reinigung, Bau, Pflege und technischen Unterhalt ein. Diese zweite Welle benötigt mehr Kapital, physische Anlagen und Sicherheitsprüfungen. Sie dürfte langsamer beginnen, dafür aber über einen längeren Zeitraum tiefer in die Realwirtschaft eingreifen.

Die Einführung verläuft schneller beim Einzelnen als im Unternehmen

Die private Nutzung von KI hat sich deutlich schneller verbreitet als ihre kontrollierte Integration in betriebliche Prozesse. In der Nationalen E-Government-Studie 2025 gaben 68 Prozent der befragten Unternehmen an, generative KI noch gar nicht einzusetzen. 24 Prozent nutzten sie in beschränktem Umfang, nur 3 Prozent bereits in grösserem Umfang. Lediglich 9 Prozent verfügten über eine eigentliche KI-Strategie. Nationale E-Government-Studie 2025

Andere Befragungen kommen zu höheren Nutzungswerten, weil sie bereits das Experimentieren einzelner Mitarbeiter oder die Verwendung einer KI in nur einer Geschäftsfunktion erfassen. Diese unterschiedlichen Definitionen erklären einen grossen Teil der scheinbaren Widersprüche in den Statistiken.

Besonders ausgeprägt ist die Kluft zwischen Grossunternehmen und KMU. Nach der KOF-Innovationserhebung setzen etwas mehr als 8 Prozent der kleinen Unternehmen KI ein, bei grossen Unternehmen ist es bereits mehr als jedes dritte. KOF ETH Zürich

Damit droht eine neue Produktivitätslücke. Konzerne können Daten bereinigen, Schnittstellen entwickeln, eigene Modelle anpassen, Sicherheitssysteme aufbauen und Fachkräfte einstellen. Kleine Unternehmen greifen häufiger auf standardisierte Angebote amerikanischer Plattformanbieter zurück. Sie erhalten damit schnell Zugang zu leistungsfähigen Werkzeugen, bleiben aber abhängig von Preisen, Nutzungsbedingungen, Datenstandorten und Produktentscheidungen Dritter.

Ein realistischer Entwicklungskorridor bis 2031

Die folgende Tabelle ist keine amtliche Prognose. Sie beschreibt ein mittleres Szenario auf Grundlage der heutigen Nutzung, internationaler Adoptionsraten, beobachteter Zeitgewinne und der erwarteten Integration von KI in Standardsoftware.

Entwicklung in der Schweizer Wirtschaft20272028202920302031
Unternehmen mit mindestens begrenzter produktiver KI-Nutzung38–45 %46–54 %54–63 %62–71 %68–78 %
Arbeitsabläufe, die regelmässig KI-gestützt ausgeführt werden8–12 %12–18 %17–24 %22–30 %27–36 %
Gesamtwirtschaftlich eingesparte Arbeitsstunden gegenüber einer Entwicklung ohne KI1–2 %2–3 %3–5 %4–7 %5–9 %
Kumulativer Produktivitätsgewinn0,3–0,7 %0,6–1,3 %0,9–2,0 %1,2–2,8 %1,5–3,5 %

Entscheidend ist, dass eingesparte Arbeitsstunden nicht automatisch in gleich viele gestrichene Stellen übersetzt werden. Ein Unternehmen kann die gewonnene Zeit nutzen, um mehr Aufträge zu bearbeiten, neue Produkte zu entwickeln, Preise zu senken oder die Qualität zu erhöhen. Es kann aber ebenso gut Personal abbauen und den Produktivitätsgewinn überwiegend als Gewinn verbuchen.

Eine IMF-Modellierung für 31 europäische Länder kommt im mittleren Szenario lediglich auf einen kumulierten Produktivitätsgewinn von rund einem Prozent über fünf Jahre. Beratungsunternehmen und technologiegestützte Studien gelangen dagegen zu deutlich höheren Werten. Accenture hält unter günstigen Bedingungen bis 2030 einen zusätzlichen Schweizer Wertschöpfungsbeitrag von 92 Milliarden Franken für möglich; eine von Google und digitalswitzerland beauftragte Untersuchung nennt 80 bis 85 Milliarden Franken über etwa ein Jahrzehnt. Diese hohen Werte beschreiben Potenziale, keine gesicherten Erträge. IMF, Accenture, digitalswitzerland

Der Arbeitsmarkt verändert sich bereits

Eine Untersuchung der KOF fand seit der breiten Einführung grosser Sprachmodelle eine deutlich ungünstigere Entwicklung in stark KI-exponierten Berufen. Die Zahl der registrierten Stellensuchenden stieg dort relativ zu wenig exponierten Berufen um durchschnittlich 27 Prozent stärker. Besonders sichtbar war die Entwicklung bei Anwendungsprogrammierern, Softwareentwicklern, Systemanalytikern, Journalisten sowie Fachkräften in Werbung und Marketing. Die KOF betont zugleich, dass sich diese Verschiebungen innerhalb einer insgesamt noch wachsenden Beschäftigung vollzogen. KOF-Studie zum Schweizer Arbeitsmarkt

Noch deutlicher ist der Effekt bei Einstiegsstellen. Der jobs.ch KI Report 2026 untersuchte 7,3 Millionen Stellenanzeigen. Der Anteil ausgeschriebener Einstiegspositionen lag 2025 um 32 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2022. In KI-exponierten Berufsfeldern sanken Juniorpositionen um 16 Prozent, während Seniorprofile um 26 Prozent zulegten. Besonders betroffen waren Administration, Personalwesen, Banken, Finanzen, Marketing, Einkauf, Vertrieb, IT und Telekommunikation. jobs.ch KI Report 2026

Diese Zahlen beweisen nicht, dass jeder Rückgang durch KI verursacht wurde. Konjunktur, Zinsen, Nachwirkungen der Pandemie und allgemeine Sparprogramme wirken ebenfalls auf den Stellenmarkt. Das Muster ist dennoch plausibel: Erfahrene Fachkräfte können mit KI viele Aufgaben selbst erledigen, für die sie früher jüngere Mitarbeiter benötigten.

Welche Berufsgruppen bis 2031 besonders betroffen sind

Die folgenden Werte beschreiben die kumulative Veränderung der Beschäftigung gegenüber einer hypothetischen Entwicklung ohne KI. Es handelt sich um Szenariobandbreiten, nicht um punktgenaue Vorhersagen.

BerufsgruppeAnteil der Tätigkeiten, die bis 2031 wesentlich verändert werden könntenBeschäftigungseffekt bis 2031 gegenüber einer Entwicklung ohne KI
Administration, Sachbearbeitung und Backoffice35–55 %–6 bis –12 %
Juniorstellen in Büro- und Wissensberufen35–60 %–10 bis –18 %
Buchhaltung, Lohnwesen und standardisierte Finanzprozesse35–55 %–6 bis –12 %
Kundenservice und Callcenter40–65 %–8 bis –18 %
Marketing, Übersetzung, Medien und einfache Content-Produktion40–65 %–8 bis –15 %
Rechtsprüfung, Compliance, Steuern und Wirtschaftsprüfung30–50 %–3 bis +3 %
Softwareentwicklung, Tests und IT-Support30–55 %–5 bis +8 %; Juniorstellen stärker negativ
Finanzanalyse, Research und Versicherungsprüfung30–50 %–4 bis –8 %
Ingenieurwesen, Architektur und technische Planung20–40 %–2 bis +6 %
Forschung, Pharma und Laborarbeit20–40 %0 bis +6 %
Industrieproduktion und Qualitätskontrolle20–40 %–5 bis +2 %
Logistik und Lagerhaltung20–40 %–4 bis +2 %
Bau, Handwerk und technischer Unterhalt5–20 %–1 bis +4 %
Pflege, Betreuung und persönliche Dienstleistungen5–20 %+2 bis +8 %
KI-Integration, Datenmanagement, Cybersecurity und Modellprüfungstark wachsend+15 bis +30 %

Die Bandbreiten zeigen ein scheinbares Paradox: Softwareentwicklung gehört zu den am stärksten exponierten Bereichen, kann aber gleichzeitig weiter wachsen. Eine höhere Produktivität senkt die Kosten neuer Software, wodurch zusätzliche Nachfrage entsteht. Allerdings verschiebt sich der Bedarf von einfachen Programmier- und Testaufgaben zu Architektur, Integration, Sicherheit, Datenqualität und fachlicher Verantwortung.

Auch das PwC AI Jobs Barometer zeigt diese Doppelbewegung. 2025 erreichte die Zahl der Schweizer Stellenanzeigen mit KI-Bezug rund 25’000, blieb mit 1,8 Prozent aller Inserate aber noch klein. Gefragt sind zunehmend Anwender mit Fach- und KI-Kompetenz, nicht nur klassische KI-Entwickler. PwC Schweiz

Die grösste Gefahr liegt bei den Berufseinsteigern

Die Verdrängung von Einstiegsaufgaben ist langfristig gefährlicher als ein spektakulärer Stellenabbau in einzelnen Grossunternehmen. Recherche, erste Textentwürfe, einfache Analysen, Dokumentation, Datenaufbereitung und standardisierte Programmierung waren bisher nicht nur produktive Arbeit, sondern zugleich Lernstufen.

Wenn diese Aufgaben von KI übernommen werden, entsteht ein Erfahrungsproblem. Unternehmen wünschen weiterhin erfahrene Spezialisten, bilden aber weniger Menschen auf dem Weg dorthin aus. Kurzfristig spart das Kosten. Langfristig fehlt der Nachwuchs für Fach-, Führungs- und Verantwortungsfunktionen.

Die berufliche Grundbildung muss deshalb nicht nur um KI-Anwendung ergänzt werden. Sie muss neue Lernaufgaben schaffen, mit denen junge Menschen fachliches Urteilsvermögen entwickeln können, obwohl ein System bereits brauchbare Lösungen produziert. Wer nur lernt, KI zu bedienen, ohne ihre Ergebnisse fachlich prüfen zu können, bleibt abhängig von ihr.

Auswirkungen nach Hierarchieebene

KI greift nicht einfach von unten nach oben in Unternehmen ein. Entscheidend ist, wie standardisiert, dokumentenlastig und messbar eine Funktion ist.

FunktionsebeneErwarteter Einfluss bis 2031Wesentliche Veränderung
Junior- und Assistenzfunktionensehr hochWegfall von Recherche-, Dokumentations-, Analyse- und Entwurfsaufgaben
Sachbearbeitung und Backofficesehr hochAutomatisierte Vorgangsbearbeitung, Datenerfassung und Kommunikation
Spezialisierte FachkräftehochHöhere Produktivität, aber teilweise sinkender Personalbedarf
Mittleres ManagementhochAutomatisierung von Reporting, Koordination, Ressourcenplanung und Kontrolle
Abteilungsleitungenmittel bis hochGrössere Führungsspannen und stärker datenbasierte Entscheidungen
GeschäftsleitungmittelBessere Analysen und Simulationen; Verantwortung bleibt menschlich
Routinemässige Produktion und Logistikmittel bis hochZunehmender Robotik- und Automatisierungseinsatz
Handwerkliche und soziale Arbeitzunächst gering bis mittelUnterstützung statt vollständiger Substitution

Das mittlere Management könnte stärker betroffen sein, als viele Unternehmen gegenwärtig annehmen. Ein erheblicher Teil seiner Arbeit besteht aus Informationssammlung, Berichterstattung, Terminsteuerung, Leistungsüberwachung und Weitergabe von Entscheidungen. KI-Agenten können diese Funktionen teilweise übernehmen. Damit werden Organisationen flacher, und einzelne Führungskräfte können grössere Bereiche steuern.

Die Unternehmensleitung wird dagegen weniger durch KI ersetzt als durch sie abhängig. Die Analyse kann automatisiert werden, nicht aber die rechtliche, moralische und strategische Verantwortung. Das Risiko liegt darin, dass Führungskräfte Entscheidungen formell verantworten, deren technische Grundlagen sie nicht mehr vollständig verstehen.

Welche Schweizer Branchen am stärksten verändert werden

Banken und Versicherungen

Finanzdienstleister verfügen über grosse Datenbestände, standardisierte Prozesse und hohe Personalkosten. Das macht sie zu frühen Anwendern. Kreditprüfung, Betrugserkennung, Compliance, Kundendienst, Research, Vermögensanalyse, Schadenbearbeitung und Dokumentation können weitgehend unterstützt oder teilweise automatisiert werden.

Bis 2031 könnten 30 bis 50 Prozent der Arbeitsabläufe wesentlich verändert werden. Der Personalbedarf im Backoffice könnte gegenüber einer Entwicklung ohne KI um 8 bis 15 Prozent geringer ausfallen. Im kundenbezogenen Private Banking bleiben Vertrauen, Akquisition und persönliche Verantwortung bedeutend. Gleichzeitig könnten kleinere Vermögensverwalter mit KI Leistungen anbieten, die bisher grossen Instituten vorbehalten waren.

Das systemische Risiko wächst, wenn mehrere Banken dieselben Modelle, Datenanbieter oder Cloud-Infrastrukturen verwenden. Ein Modellfehler kann dann nicht nur ein einzelnes Institut, sondern einen erheblichen Teil des Finanzsystems gleichzeitig betreffen.

Pharma, Chemie und Biotechnologie

In der Pharmaindustrie liegt der grösste Wert weniger im Personalabbau als in kürzeren Forschungszeiten. KI kann Moleküle entwerfen, klinische Daten auswerten, geeignete Patientengruppen identifizieren, Versuchsreihen priorisieren und Produktionsprozesse optimieren.

Die Zahl der Labor- und Forschungskräfte muss deshalb nicht sinken. Wahrscheinlicher ist eine höhere Zahl parallel bearbeiteter Projekte. Erfolgreiche Unternehmen können Entwicklungsrisiken reduzieren und patentierbare Produkte schneller auf den Markt bringen. Die Kehrseite ist eine steigende Abhängigkeit von Datenqualität, Rechenleistung und spezialisierten Plattformen.

Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie

Die Schweizer Industrie ist bereits stark automatisiert. KI erweitert klassische Robotik um maschinelles Sehen, flexible Steuerung, vorausschauende Wartung und selbstoptimierende Produktion. Besonders betroffen sind Qualitätskontrolle, einfache Montage, interne Logistik und Produktionsplanung.

Hohe Löhne erhöhen den Automatisierungsanreiz. Gleichzeitig kann Robotik Produktion in der Schweiz wieder wettbewerbsfähig machen und eine teilweise Rückverlagerung aus dem Ausland ermöglichen. Beschäftigungsverluste in der Produktion können daher durch zusätzliche Tätigkeiten in Wartung, Engineering, Steuerung und kundenspezifischer Fertigung teilweise ausgeglichen werden.

Unternehmensberatung, Recht, Treuhand und Wirtschaftsprüfung

Diese Branchen verkaufen Wissen, Analyse und strukturierte Dokumente – also genau jene Leistungen, bei denen generative KI besonders leistungsfähig ist. Standardisierte Marktanalysen, Vertragsprüfungen, Buchhaltung, Steuerrecherchen, Präsentationen und Prüfungsunterlagen verlieren an Wert.

Gefragt bleiben Vertrauen, Erfahrung, Verantwortung, Verhandlung, Branchenkenntnis und die Fähigkeit, unklare Situationen zu beurteilen. Der Markt dürfte sich polarisieren: einfache Leistungen werden billiger oder automatisiert, während hochwertige Beratung mit persönlicher Verantwortung an Bedeutung gewinnt.

Medien, Werbung und Verlage

Hier ist der Preisdruck bereits sichtbar. Texte, Übersetzungen, Bilder, Videos und Werbevarianten können in grosser Zahl produziert werden. Das senkt Produktionskosten, führt aber zugleich zu einem Überangebot austauschbarer Inhalte.

Der wirtschaftliche Schaden besteht nicht nur im Verlust einzelner Stellen. Wenn Inhalte beliebig verfügbar sind und Suchmaschinen Antworten direkt erzeugen, verlieren Medienhäuser Besucher, Werbeeinnahmen und Abonnenten. Gleichzeitig steigt der Wert nachweislich menschlicher Recherche, lokaler Kompetenz und vertrauenswürdiger Marken.

Gesundheit und Pflege

Im Gesundheitswesen kann KI Dokumentation, Terminplanung, Abrechnung, Bildanalyse, Triage und Diagnostik unterstützen. Wegen der alternden Bevölkerung und des Fachkräftemangels ist dennoch kein allgemeiner Beschäftigungsabbau zu erwarten. Die Produktivität steigt, während der Bedarf an Pflege und persönlicher Betreuung weiter zunimmt.

Ein kritischer Punkt bleibt die Haftung. Wenn ein Arzt eine KI-Empfehlung übernimmt, trägt er weiterhin die Verantwortung. Lehnt er sie ab, muss er möglicherweise erklären können, warum. Daraus entsteht eine neue Form fachlicher und rechtlicher Abhängigkeit.

Detailhandel, E-Commerce, Logistik und Tourismus

KI verbessert Preissteuerung, Sortimentsplanung, Marketing, Nachfrageprognosen und Kundenkommunikation. Robotik automatisiert Lager, Kommissionierung und Teile des Transports. Im Tourismus können Reservierung, Übersetzung und Reiseplanung weitgehend digitalisiert werden, während persönliche Betreuung und lokale Qualität wichtige Differenzierungsmerkmale bleiben.

Die indirekten Auswirkungen werden häufig unterschätzt

Wenn Banken, Versicherungen, Beratungen und Verwaltungen weniger Büroangestellte benötigen, betrifft das auch Personalvermittler, Weiterbildungsanbieter, Bürovermieter, Geschäftsreiseanbieter, Gastronomie, Reinigung, Druckereien und den innerstädtischen Detailhandel.

Auf der Gewinnerseite stehen Rechenzentren, Netzbetreiber, Elektroinstallateure, Cybersecurity-Anbieter, Datenberater, Robotiktechniker und spezialisierte Softwareunternehmen. Auch Energieversorger profitieren von zusätzlicher Nachfrage, müssen jedoch Netze und Anschlusskapazitäten ausbauen.

Die zentrale Verteilungsfrage lautet: Bleiben die Produktivitätsgewinne in der Schweiz? Wenn Schweizer Unternehmen amerikanische Modelle, Chips und Cloud-Infrastrukturen einsetzen, fliesst ein Teil der zusätzlichen Wertschöpfung als Lizenz-, Rechen- und Plattformgebühr ins Ausland. Die Schweiz kann produktiver werden und zugleich technologisch abhängiger.

Gesamtwirtschaftlich ist Wachstum wahrscheinlich – aber nicht automatisch Wohlstand für alle

Für die Schweizer Volkswirtschaft sind drei Szenarien plausibel:

Szenario bis 2031Kumulativer ProduktivitätsgewinnVeränderung des realen BIP gegenüber einer Entwicklung ohne KINetto-Beschäftigungseffekt
Langsame Einführung+0,5 bis +1,5 %+0,5 bis +2 %–1 bis +1 %
Mittlere Einführung+1,5 bis +3,5 %+1 bis +4 %–2 bis +1 %
Beschleunigte Einführung+4 bis +7 %+4 bis +8 %–5 bis 0 %

Ein höheres BIP bedeutet nicht zwangsläufig höhere Masseneinkommen. Wenn die Wertschöpfung steigt, während die Lohnsumme stagniert, wächst vor allem der Anteil von Unternehmensgewinnen, Kapitalerträgen und Lizenzzahlungen. Davon profitieren Aktionäre, Eigentümer der Systeme und hochqualifizierte Schlüsselkräfte stärker als gewöhnliche Angestellte.

Bei sinkenden Produktionskosten können auch die Kunden profitieren. Voraussetzung ist jedoch funktionierender Wettbewerb. Wo wenige Anbieter Modelle, Cloud, Chips, Daten und Kundenzugänge kontrollieren, werden Kostenvorteile nicht zwingend über tiefere Preise weitergegeben.

KI kann den Fachkräftemangel teilweise entschärfen und damit den Bedarf an bestimmten Formen der Zuwanderung reduzieren. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach hochqualifizierten Forschern, Entwicklern, Ingenieuren und Gesundheitsfachkräften anhalten. Die Schweiz könnte daher weniger administrative Arbeitskräfte, aber mehr spezialisierte Zuwanderer benötigen.

Steuern und Sozialversicherungen geraten in ein strukturelles Ungleichgewicht

Das Schweizer Steuer- und Sozialversicherungssystem belastet Arbeitseinkommen breit und regelmässig. Unternehmensgewinne sind dagegen stärker konzentriert, international verschiebbar und konjunkturabhängig.

Wenn KI die Lohnsumme relativ zum BIP senkt, geraten AHV, IV, EO, ALV und Pensionskassen unter Druck. Ein Rückgang der beitragspflichtigen Lohnsumme um ein Prozent führt kurzfristig annähernd zu einem entsprechenden prozentualen Rückgang der lohnabhängigen Beitragseinnahmen, sofern Beitragssätze und Beschäftigungsstruktur gleich bleiben.

Steigende Unternehmensgewinne können diesen Effekt steuerlich ausgleichen, müssen es aber nicht. Gewinne können mit Investitionen verrechnet, konzernintern verlagert oder in anderen Ländern ausgewiesen werden. Zudem verteilen sich Gewinnsteuern regional anders als Einkommensteuern und Sozialbeiträge. Kantone mit Konzernzentralen könnten profitieren, während Wohngemeinden mit vielen betroffenen Angestellten Einnahmen verlieren.

Mögliche Folgen sind:

  • geringere Lohn- und Einkommensteuereinnahmen in stark betroffenen Regionen;
  • höhere Ausgaben für Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe und Weiterbildung;
  • geringere Beiträge an Pensionskassen;
  • steigende Unternehmens- und Kapitalerträge bei gleichzeitig stärkerer Volatilität;
  • wachsende Unterschiede zwischen Kantonen und Gemeinden;
  • zusätzlicher Druck auf den nationalen Finanzausgleich.

Eine Robotersteuer klingt politisch einfach, ist aber praktisch schwer abzugrenzen. Besteuert man einen physischen Roboter, einen KI-Agenten, eine Softwarelizenz oder eine Prozessautomatisierung? Eine isolierte Automatisierungssteuer könnte zudem Investitionen und Rückverlagerungen von Produktion verhindern.

Sinnvoller wäre langfristig eine breitere Finanzierung der Sozialwerke, die sich weniger ausschliesslich auf menschliche Arbeit stützt. Diskutierbar wären eine stärkere Beteiligung sehr hoher Kapital- und Automatisierungsgewinne, zweckgebundene Weiterbildungsfonds oder eine teilweise Finanzierung über allgemeine Steuern. Jede Variante hat Verteilungs- und Standortwirkungen, die offen ausgewiesen werden müssen.

Wie stark kann der Staat selbst sparen?

Bund, Kantone und Gemeinden können KI bei Steuerveranlagung, Betrugserkennung, Zoll, Übersetzung, Bewilligungen, Sozialversicherungen, Statistik, Beschaffung, Arbeitsvermittlung und Bürgerkommunikation einsetzen.

2025 nutzten 73 Prozent der befragten Verwaltungen noch gar keine generative KI; 25 Prozent setzten sie erst in begrenztem Umfang ein. Keine der untersuchten Verwaltungsebenen berichtete von einem Einsatz in grösserem Umfang. Als wichtigstes Hindernis nannten Bund und Kantone fehlende personelle Ressourcen, nicht primär fehlende Rechenleistung. Digitale Verwaltung Schweiz

Für die administrativen Betriebskosten – nicht für Transferausgaben wie AHV-Renten oder Sozialleistungen – erscheint im mittleren Szenario folgende Entwicklung plausibel:

Kumulative Entlastung der administrativen Betriebskosten20272028202920302031
Bund, Kantone und Gemeinden0,2–0,5 %0,5–1,0 %0,8–1,8 %1,2–2,8 %1,5–4,0 %

Die möglichen Zeitgewinne in einzelnen standardisierten Prozessen können mit 10 bis 25 Prozent wesentlich höher liegen. Sie werden jedoch nicht vollständig zu Budgeteinsparungen. Ein Teil fliesst in kürzere Bearbeitungszeiten, bessere Kontrollen, neue Dienstleistungen und die Überprüfung von KI-Entscheidungen.

Auch der Staat muss deshalb zwischen Produktivitätsgewinn und tatsächlicher Kostensenkung unterscheiden. Ohne politische Vorgaben führt KI nicht automatisch zu einem kleineren Staatsapparat. Sie kann ebenso einen leistungsfähigeren, aber nicht günstigeren Staat hervorbringen.

Besonders sensibel sind Justiz, Polizei, Steuern, Sozialhilfe und Gesundheitswesen. Dort müssen Bürger erfahren können, ob KI an einer Entscheidung beteiligt war, welche Daten verwendet wurden und wie eine menschliche Überprüfung verlangt werden kann.

Immobilien: Druck auf Büros, aber kein allgemeiner Preissturz

Ende 2025 waren in den fünf grössten Schweizer Büromärkten rund 1,03 Millionen Quadratmeter Bürofläche verfügbar. Die durchschnittliche Angebotsquote lag bei 5,2 Prozent. Seit Ende 2019 war sie von 4,1 Prozent gestiegen. Allerdings wurden in dieser Zeit auch umfangreiche neue Flächen erstellt; der Anstieg kann daher nicht allein mit Homeoffice oder KI erklärt werden. JLL Schweiz

Bis 2031 dürfte KI vor allem sekundäre Bürostandorte belasten. Wenn Finanzdienstleister, Versicherungen, IT-Unternehmen, Verwaltungen und Beratungen mit weniger Personal wachsen können, steigt ihr Flächenbedarf langsamer als ihre Wertschöpfung.

ImmobiliensegmentMöglicher KI-Effekt bis 2031 gegenüber einer Entwicklung ohne KI
Hochwertige Büros in zentralen Lagen–2 bis +2 % Nachfrage
Ältere Büros in Randlagen–5 bis –12 % Nachfrage
Flexible Projekt- und Innovationsflächen0 bis +8 %
Logistik- und automatisierte Lagerflächen+5 bis +15 %
Rechenzentren und technisch geeignete Grundstücke+10 bis +25 %
Wohnimmobilienpreise gesamtschweizerischetwa –2 bis +2 %

Bei Wohnimmobilien bleibt KI ein indirekter Faktor. Zinsen, Raumplanung, Bautätigkeit, Zuwanderung und Haushaltsentwicklung sind wesentlich wichtiger. Sinkt der Bedarf an Arbeitskräften, kann die Wohnraumnachfrage gedämpft werden. Zieht die Schweiz dagegen zusätzliche hochqualifizierte Spezialisten an, wirkt der Effekt in die andere Richtung.

Ein KI-bedingter Einbruch der Schweizer Wohnimmobilienpreise ist bis 2031 daher nicht das wahrscheinlichste Szenario. Grössere Risiken bestehen bei schlecht gelegenen, technisch veralteten Bürogebäuden.

Energie und Rechenzentren werden zu Standortfragen

Schweizer Rechenzentren verbrauchten 2024 knapp 2,1 Terawattstunden Strom, entsprechend rund 3,6 Prozent des nationalen Verbrauchs. Bis 2030 erwartet eine im Auftrag von EnergieSchweiz erstellte Studie 2,5 bis 3,2 Terawattstunden; im Hochszenario wären bis zu 3,5 Terawattstunden möglich. Zugleich besteht ein geschätztes Effizienzpotenzial von rund 0,78 Terawattstunden. Grosses Modelltraining findet bisher kaum im Inland statt. Bundesamt für Energie

Die Schweiz muss entscheiden, welche Rechenleistung sie selbst bereitstellen will. Vollständige Autarkie bei Chips und Basismodellen ist unrealistisch. Für Verwaltung, Gesundheit, Forschung, Finanzwesen und kritische Infrastruktur sind jedoch kontrollierbare Modelle, Schweizer Datenstandorte und verlässliche Rückfallebenen sinnvoll.

Mit dem Supercomputer Alps und der Swiss AI Initiative verfügt die Schweiz über eine aussergewöhnliche Forschungsinfrastruktur. Mehr als 800 Forscher erhalten Zugang zu über 20 Millionen GPU-Stunden pro Jahr. Das offene, mehrsprachige Modell Apertus wurde 2025 veröffentlicht und im Juli 2026 als Apertus 1.5 weiterentwickelt. Trainingsdaten, Modellgewichte, Methoden und Code sind offengelegt. ETH Zürich, CSCS

Diese Infrastruktur ist wichtig, ersetzt aber noch keine industrielle Plattformstrategie. Forschungserfolge müssen in marktfähige Schweizer Anwendungen, sichere Cloud-Angebote und international skalierbare Unternehmen übersetzt werden.

Die Schweiz steht unter wachsendem Wettbewerbsdruck

Im OECD-Durchschnitt nutzten 2025 rund 20,2 Prozent der Unternehmen KI. Bei grossen Unternehmen waren es 52 Prozent, bei kleinen 17,4 Prozent. Dänemark, Finnland und Schweden lagen jeweils über 35 Prozent. OECD

In der Europäischen Union setzte 2025 etwa jedes fünfte Unternehmen KI ein. Dänemark erreichte 42 Prozent, Finnland 37,8 Prozent und Schweden 35 Prozent. Eurostat

Die USA dominieren dagegen bei Kapital, Cloud-Infrastruktur und führenden Modellen. Nach dem Stanford AI Index flossen 2025 rund 285,9 Milliarden Dollar privates KI-Kapital in die USA – mehr als 23-mal so viel wie in China, wobei staatlich gelenkte chinesische Investitionen in dieser Gegenüberstellung nur unvollständig erfasst werden. Stanford AI Index 2026

Die Schweiz kann dieses Volumen nicht kopieren. Ihre Chancen liegen in spezialisierten Anwendungen: Pharma, Medizintechnik, Präzisionsindustrie, Finanzsysteme, Robotik, Versicherungen, mehrsprachige Verwaltung und vertrauenswürdige KI für regulierte Branchen.

Der grösste Wettbewerbsdruck entsteht nicht dadurch, dass Schweizer Firmen gar keine KI einsetzen. Er entsteht, wenn internationale Wettbewerber ihre Prozesse schneller neu gestalten, während Schweizer Unternehmen lediglich einzelne Chatbots und Assistenten hinzufügen. Entscheidend ist nicht der Kauf eines KI-Werkzeugs, sondern die Neugestaltung vollständiger Arbeitsabläufe.

Recht, Haftung und europäische Regulierung

Die Schweiz verfolgt einen sektorbezogenen Regulierungsansatz. Sie hat im März 2025 die KI-Konvention des Europarats unterzeichnet. Eine Vernehmlassungsvorlage zur Umsetzung ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 vorgesehen. Im Zentrum stehen Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht. Bundesrat, Bundesamt für Kommunikation

Auch ohne vollständige Übernahme des EU AI Act müssen exportorientierte Schweizer Unternehmen europäische Vorgaben berücksichtigen. Wer KI-Systeme oder KI-gestützte Produkte in der EU anbietet, kann unter deren Anforderungen fallen.

Dringende Fragen betreffen:

  • Bankkunden-, Patienten- und Geschäftsgeheimnisse;
  • Trainingsdaten und Urheberrechte;
  • automatisierte Personalentscheidungen;
  • Überwachung und Leistungsmessung am Arbeitsplatz;
  • Haftung bei fehlerhaften Diagnosen, Empfehlungen oder Transaktionen;
  • Nachvollziehbarkeit von Verwaltungsentscheidungen;
  • grenzüberschreitende Datenverarbeitung;
  • Kennzeichnung synthetischer Inhalte;
  • menschliche Eingriffs- und Abschaltmöglichkeiten.

Cyberrisiken und die Gefahr gleichartiger Fehler

KI erhöht nicht nur die Produktivität der Verteidiger, sondern auch jene der Angreifer. Phishing, Identitätsdiebstahl, Deepfakes, Schadsoftware und automatisierte Schwachstellensuche werden billiger und skalierbarer.

Besonders gefährlich sind korrelierte Fehler. Wenn zahlreiche Banken, Versicherungen, Verwaltungen oder Spitäler dasselbe Basismodell verwenden, kann eine fehlerhafte Aktualisierung oder manipulierte Datenquelle gleichzeitig viele Institutionen treffen.

Kritische Organisationen benötigen deshalb:

  • mehrere voneinander unabhängige Kontrollstufen;
  • Protokollierung automatisierter Entscheidungen;
  • getestete manuelle Rückfallverfahren;
  • Grenzen für autonome Transaktionen;
  • laufende Modell- und Datenprüfungen;
  • klare Verantwortlichkeiten bis zur Geschäftsleitung.

Die Vorteile sind erheblich

Richtig eingesetzt kann KI die strukturellen Schwächen der Schweiz abfedern. Sie kann den Fachkräftemangel reduzieren, Forschung beschleunigen, Produktionskosten senken, die medizinische Versorgung verbessern und kleinere Unternehmen international leistungsfähiger machen.

Weitere Vorteile sind:

  • präzisere Qualitätskontrollen;
  • weniger gefährliche und körperlich belastende Arbeit;
  • bessere Übersetzung zwischen den Landessprachen;
  • schnellere Verwaltungsverfahren;
  • effizientere Nutzung von Energie und Rohstoffen;
  • bessere Unterstützung für Menschen mit Behinderungen;
  • Rückverlagerung hochautomatisierter Produktion;
  • neue Exportprodukte und Unternehmensgründungen;
  • potenziell kürzere Arbeitszeiten bei gleichbleibender Wertschöpfung.

Die Nachteile und verdrängten Kosten

Ebenso real sind die Risiken:

  • schleichender Stellenabbau durch Einstellungsstopps und natürliche Fluktuation;
  • Verlust von Lehr-, Junior- und Einstiegsstellen;
  • wachsende Lohn- und Vermögensunterschiede;
  • Abhängigkeit von ausländischen Technologieplattformen;
  • Abfluss von Wertschöpfung durch Cloud- und Lizenzgebühren;
  • Verlust fachlicher Fähigkeiten;
  • Überwachung und steigender Leistungsdruck;
  • Fehlinvestitionen in ungeeignete Systeme;
  • Qualitätsverluste durch ungeprüfte KI-Ergebnisse;
  • neue Cyber- und Haftungsrisiken;
  • steigender Strom- und Infrastrukturbedarf;
  • stärkere Marktmacht weniger Plattformanbieter;
  • Gefährdung von Medienvertrauen und direkter Demokratie.

Die unangenehme Wahrheit lautet: KI erzeugt nicht automatisch gemeinsamen Wohlstand. Ohne Wettbewerb, Bildungspolitik und eine ausgewogene Beteiligung an den Produktivitätsgewinnen kann die Wirtschaft wachsen, während sich die wirtschaftliche Sicherheit eines Teils der Bevölkerung verschlechtert.

Wo die Schweiz jetzt handeln muss

Den Berufseinstieg neu organisieren

Unternehmen sollten verpflichtet oder zumindest gezielt unterstützt werden, weiterhin Ausbildungs- und Einstiegsstellen anzubieten. Lernaufgaben müssen bewusst erhalten oder neu geschaffen werden. Sonst spart die Wirtschaft heute an jenen Fachkräften, die sie morgen dringend benötigt.

Einen Schweizer KI-Arbeitsmarktmonitor schaffen

Die Schweiz benötigt laufende Daten nach Beruf, Branche, Alter, Qualifikation, Kanton und Unternehmensgrösse. Erfasst werden sollten nicht nur Entlassungen, sondern auch Einstellungsstopps, nicht wiederbesetzte Stellen und Veränderungen der Aufgabenprofile.

KMU bei der Umsetzung unterstützen

KMU brauchen keine allgemeinen KI-Seminare, sondern branchenspezifische Hilfe bei Prozessanalyse, Datenschutz, Cybersecurity, Datenqualität und Wirtschaftlichkeitsberechnung. Gemeinsame sichere Plattformen könnten Skalennachteile reduzieren.

Produktivitätsgewinne breiter verteilen

Neben Löhnen und Unternehmensgewinnen sollte auch die Arbeitszeit zum Verteilungsinstrument werden. Wenn dieselbe Leistung mit weniger Arbeitsstunden erbracht werden kann, sind Arbeitszeitverkürzungen eine wirtschaftlich ernst zu nehmende Alternative zum Stellenabbau.

Sozialversicherungen frühzeitig prüfen

AHV, ALV, IV und Pensionskassen benötigen Szenarien für eine Wirtschaft, in der die Wertschöpfung schneller wächst als die Lohnsumme. Eine Reform erst nach erheblichen Einnahmeausfällen käme zu spät.

Staatliche Systeme gemeinsam entwickeln

Bund, Kantone und Gemeinden sollten nicht 27 voneinander getrennte KI-Landschaften aufbauen. Gemeinsame Datenstandards, Basissysteme, Beschaffungsregeln und Sicherheitsanforderungen senken Kosten und verhindern neue digitale Grenzen innerhalb der Schweiz.

Kritische Infrastruktur souverän absichern

Nicht jedes Modell muss schweizerisch sein. Kritische Anwendungen müssen jedoch kontrollierbar, austauschbar und notfalls unabhängig weiterbetreibbar sein. Proprietäre Systeme ohne Rückfalloption sind in Verwaltung, Gesundheit, Energie und Finanzwesen ein strategisches Risiko.

Die entscheidende Frage ist politisch, nicht technisch

Die Einführung von KI-Systemen und KI-gestützter Robotik ist in der Schweiz realistisch, wirtschaftlich attraktiv und kaum aufzuhalten. Sie wird jedoch nicht überall gleich schnell erfolgen. Bis 2031 dürfte ein grosser Teil der Unternehmen KI produktiv nutzen, während vollständig autonome Systeme nur in klar abgegrenzten Prozessen verbreitet sein werden.

Die tiefste Veränderung besteht zunächst nicht in menschenleeren Fabriken oder vollständig automatisierten Verwaltungen. Sie zeigt sich leiser: weniger Einstiegsstellen, höhere Anforderungen, kleinere Teams, flachere Hierarchien, grössere Führungsspannen und eine zunehmende Konzentration wirtschaftlicher Macht bei Eigentümern von Daten, Modellen und Infrastruktur.

Die Schweiz besitzt ausgezeichnete Hochschulen, qualifizierte Arbeitskräfte, stabile Institutionen und eine starke industrielle Basis. Doch diese Ausgangslage garantiert keinen Erfolg. Entscheidend ist, ob sie Forschung in eigene Wertschöpfung übersetzt, den Nachwuchs schützt, KMU befähigt und verhindert, dass Produktivitätsgewinne privatisiert werden, während die gesellschaftlichen Folgekosten beim Staat verbleiben.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob künstliche Intelligenz die Schweiz verändern wird. Die entscheidende Frage ist, wer diesen Wandel gestaltet, wer von ihm profitiert – und wer seine Kosten trägt.

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