Angst vor der Digitalisierung – und warum Sie sie haben sollten?

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Digitalisierung wird aber auch in der klassischen Industrie Arbeitsplätze freisetzen

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, dass in Deutschen Unternehmen viele digitale Dienste, im Vergleich zu anderen Unternehmen in anderen Ländern, nur sehr wenig genutzt werden. So werden z.B. digitale Online-Agenden nur zu 50 % genutzt um gemeinsame Termine zu planen. Bei Präsentationen wird zu 60 % noch auf alte Methoden wie Overhead-Folien zurück gegriffen und nicht z.B. über Präsentationssoftware und Beamer präsentiert, geschweige denn online. Video-Konferenzen werden ebenfalls nur in wenigen Unternehmen für Meetings eingesetzt. Vorbereitungen für Konferenzen (Tagesordnungspunkt) werden oft gar nicht erstellt oder nur auf dem Papier. Protokolle dieser Meetings, wenn sie überhaupt erstellt werden, werden dann später in einer Textverarbeitung nach dem Hörensagen geschrieben, ausgedruckt und verteilt. Eine systematische Nachverfolgung besprochener Punkte (Projektmanagement) wird nur von wenigen durchgeführt. Der Einsatz von digitalen Tools und modernen Methoden für Projektsteuerung und Vorgehensweise, scheint nur in den dafür prädestinierten Branchen, die selber mit diesen Dingen zu tun haben, vorzuherrschen. In anderen – digital fernen Branchen – wird noch gearbeitet, wie vor zwanzig Jahren. Insgesamt waren die Erkenntnisse aus dieser Studie erschreckend. Denn international werden alle hochmodernen, digitalen Mittel und damit einhergehende Methoden sehr stark und bewusst eingesetzt um die Kommunikation und die Organisation in den Unternehmen zu verbessern. Es scheint in Deutschland bei vielen Arbeitnehmern, Vorgesetzten aber auch Unternehmensführern eine gewisse Abneigung zur Nutzung von digitalen Werkzeugen zu bestehen.

Gleichzeitig werden aber besonders bei internationalen Unternehmen in Deutschland die Online-Services ausgebaut und deren Benutzung durch Untergebene, von den Vorgesetzten, abverlangt. Online Urlaubsplanung, Reisekostenabrechnung, Change Request über Webseiten, Content Management Systeme werden zwangsweise eingesetzt und müssen verwendet werden. Anders kann man seine Aufgaben nicht mehr erledigen. Steuerung von Sicherheit, wer darf auf welche Server und Daten zugreifen, wird über Online-Systeme in die Hände der User und Chefs gelegt. Viele sind damit überfordert, denn Schulungen oder Einweisungen gibt es oft nicht. Dafür gibt es ellenlange Support Webseiten auf denen man dann nachlesen kann wie etwas funktioniert. Dafür hat aber kaum jemand Zeit. Junge Menschen sind in diese Welt hinein gewachsen und wissen oft eher wie sie weiter kommen, ältere Mitarbeiter stehen zunehmend vor einem Berg den sie nicht bewältigen können. Diese Situation führt bei vielen zu Frustration, mit nicht selten der Kündigung als Ausweg. Es scheint auch so, dass manche Unternehmen die digitalen Dienste nutzen um gerade damit ältere Mitarbeiter los zu werden. Wir kennen Fälle in denen Mitarbeiter über sechs Monate versucht haben bestimmte digitale Dienste zum Laufen zu bringen um ihre Arbeit zu erledigen, dieses wurde aber immer durch irgend welche „technischen“ Fehler oder falschen Konfigurationen durch andere verhindert. Damit kann man Menschen sehr mürbe machen und ihnen auch noch gleichzeitig vorwerfen, es läge an ihnen das es nicht klappt.

Internationale aber auch lokale Unternehmen verlagern ganze IT-Einheiten oder Server-Farmen in Billiglohnländer oder sourcen diese Dienste bei Dienstleistern out. Das Ganze wird entpersonalisiert, so das keiner mehr einen persönlichen Ansprechpartner kennt, der ihm zu einer Sache weiter helfen kann. Änderungswünsche, Installationswünsche und Zugriffsrechte muss man auf neutralen Webseiten in spezielle Systeme eingeben und sie werden irgendwo, am anderen Ende der Welt, von irgend jemand ausgeführt. Die Genehmigung muss der Vorgesetzte durch ein Häkchen im System freigeben. Nicht nur das man damit im Land ganze Abteilungen auf die Strasse setzen kann, man kann auch verbliebene Mitarbeiter leichter von ihren Aufgaben trennen und damit die Kündigung vorbereiten. Vorgesetzte haben mehr Rechte in den Systemen und können diese ihren Mitarbeitern einfach mal entziehen. Nach dem Motto; Sie konnten ja ihre Arbeit nicht mehr erledigen. Was heute noch funktionierte kann morgen schon nicht mehr gehen. Dem Vorgesetzte kann man nicht auf die Finger schauen und ihn fragen kommt einem Vertrauensbruch gleich. Aus ist mit Mitsprache durch Gewerkschaften oder Arbeitnehmervertreter. Es werden einfach Fakten geschaffen. Dinge um die 50 Jahre hart gekämpft wurden, werden durch die Digitalisierung einfach mal so ausgehebelt.

Viele Dienste von Unternehmen werden auch zunehmend so gestaltet, dass ihre Kunden viele Dinge online selber einrichten oder einstellen können. So wie heute ein Autokäufer auf einer Webseite sein neues Auto „Konfigurieren“ kann, so kann auch schon eine Unternehmen seinen neuen Maschinenpark beim Lieferanten online planen, konfigurieren und bestellen. Wofür man früher 10 Aussendienstmitarbeiter und Monate der Abstimmung brauchte, wird heute per Webbrowser vom Kunden selber eingestellt. So braucht man auch hier von zehn, nur noch zwei Mitarbeiter um das Ergebnis zu kontrollieren und für die Produktion frei zu geben.

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